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KI-Inhouse-Schulung planen: Sechs Schritte für Behörden, Verbände und Betriebe
Eine KI-Schulung im eigenen Haus wirkt mehr als ein offenes Seminar, weil sie mit den eigenen Werkzeugen und Fällen arbeitet. Sie will aber geplant sein: wer was braucht, womit geübt wird, wer zustimmen muss und wie es festgehalten wird. Ich zeige die Schritte, mit Blick auf Landesbehörden und Verwaltung.
Wie plane ich eine KI-Inhouse-Schulung?
Eine KI-Inhouse-Schulung planst du in sechs Schritten: Bestand erheben (welche Werkzeuge, wer nutzt sie), Gruppen nach Rolle bilden, Format und Dauer festlegen, eine Übungsumgebung ohne echte Akten vorbereiten, Personal- oder Betriebsrat und Einkauf einbinden und alles festhalten. Grundlage ist Art. 4 der KI-Verordnung, der Maßnahmen zur KI-Kompetenz verlangt, aber kein Format vorschreibt.
Donnerstag, 16:50 Uhr. Die Mail aus dem Referat ist kurz: „Bitte bis Monatsende eine KI-Schulung für alle Beschäftigten organisieren.“ Es gibt keine Liste, wer welche Werkzeuge nutzt, keinen Rahmen, keinen Termin. Im Postfach liegen drei Prospekte von Anbietern, die alle „Pflichtschulung nach EU AI Act“ versprechen. Am Freitag fragt die Amtsleitung, ob das bis zum Monatsende klappt.
„Ein Termin für alle, dann ist das Thema durch“, ist die naheliegende Antwort. Sie spart Planung und kostet Wirkung. Wer in der Bauverwaltung Bescheide schreibt, braucht andere Beispiele als die Poststelle oder die IT. Dieser Ratgeber zeigt, wie eine Inhouse-Schulung geplant wird. Was inhaltlich hineingehört, steht im Ratgeber Inhalte einer KI-Schulung, was die Pflicht für die Verwaltung bedeutet, im Ratgeber KI-Schulungspflicht in Behörden.
Veröffentlicht am 2. November 2026 · 7 Min. Lesezeit · Autor: Christoph Brinke · Alle Blogbeiträge
Ich verkaufe keine KI, ich verkaufe Veränderung.
Format
Inhouse oder offenes Seminar
Ein offenes Seminar bringt Menschen aus verschiedenen Häusern zusammen und erklärt KI allgemein. Das ist gut für Einzelne, die als Erste im Haus anfangen. Eine Inhouse-Schulung arbeitet mit den Werkzeugen, die bei euch freigegeben sind, mit den Regeln, die bei euch gelten, und mit Fällen, die bei euch auf dem Tisch liegen. Genau das macht sie wirksamer: Wer am Nachmittag mit dem eigenen Werkzeug einen eigenen Fall geübt hat, nutzt es am nächsten Morgen.
Art. 4 der KI-Verordnung schreibt kein Format vor. Die Bundesnetzagentur nennt Selbststudium, Workshops und mehrstufige Programme als mögliche Wege. Entscheidend ist, dass die Maßnahmen zum Einsatz passen: technisches Wissen, Erfahrung, Ausbildung, der Zusammenhang, in dem KI genutzt wird, und die Menschen, die davon betroffen sind.
- ✓Offenes Seminar für die ersten Einzelnen
- ✓Inhouse für das ganze Haus
- ✓Kein Format vorgeschrieben
Schritt 1
Bestand erheben: Wer nutzt was?
Vor jeder Planung steht eine kurze Bestandsaufnahme. Welche KI-Werkzeuge sind im Haus freigegeben? Welche werden ohne Freigabe genutzt, weil sie im Browser frei zugänglich sind? Welche Fachverfahren haben inzwischen KI-Funktionen eingebaut? Und welche Abteilungen arbeiten damit? Ein kurzer Fragebogen an die Abteilungsleitungen reicht, eine Rückmeldefrist von zwei Wochen auch.
Diese Liste ist mehr als Vorarbeit. Sie zeigt, wo das Haus heute schon Betreiber eines KI-Systems im Sinne von Art. 3 Nr. 4 der KI-Verordnung ist, und sie ist der erste Baustein des Nachweises. Fehlt eine Regel, welche Werkzeuge erlaubt sind, wird sie vor der Schulung geschrieben. Wie so eine Regel aussieht, zeigt der Ratgeber KI-Richtlinie.
- ✓Freigegebene und genutzte Werkzeuge
- ✓KI in Fachverfahren nicht vergessen
- ✓Fehlende Regeln zuerst schreiben
Schritt 2
Gruppen nach Rolle statt alle in einen Raum
Ich teile eine Inhouse-Schulung in vier Gruppen. Anwenderinnen und Anwender, die KI im Alltag nutzen, brauchen Übung mit ihren Fällen und klare Regeln. Fachverantwortliche, die über den Einsatz in ihrem Bereich entscheiden, brauchen zusätzlich Wissen über Risiken und Grenzen. Führungskräfte brauchen Entscheidungswissen: was erlaubt ist, wer zuständig ist, was dokumentiert wird. Dafür gibt es einen eigenen Ratgeber, KI-Schulung für Amtsleitung und Dezernenten. IT, Datenschutz und Informationssicherheit brauchen den technischen Teil.
Ein gemeinsamer Auftakt für alle kann sinnvoll sein, etwa eine Stunde zu Grundlagen und Hausregeln. Die eigentliche Arbeit passiert danach in den Gruppen. Wer mehrere Rollen hat, besucht mehrere Teile.
- ✓Anwender, Fachverantwortliche, Führung, Technik
- ✓Gemeinsamer Auftakt, dann Gruppen
- ✓Mehrere Rollen, mehrere Teile
Schritt 3
Format und Dauer: lieber zweimal kurz als einmal lang
Bei mir hat sich ein Rhythmus bewährt: ein Termin für die Grundlagen und das erste Üben, ein zweiter einige Wochen später für die Fragen, die erst im Alltag entstehen. Zwischen den Terminen arbeiten die Teilnehmenden mit dem Werkzeug und notieren, wo sie hängen. Der zweite Termin ist oft der wertvollere, weil er mit echten Problemen arbeitet statt mit ausgedachten.
Präsenz eignet sich für das Üben in Gruppen, online für den Auftakt und die Nachfragerunde. Wichtig ist bei beidem dasselbe: Jede Person arbeitet selbst am Werkzeug. Eine Schulung, in der nur vorne jemand klickt, erfüllt formal etwas, verändert aber wenig.
Schritt 4
Üben ohne echte Akten
Geübt wird mit dem Werkzeug, das im Haus freigegeben ist, und mit Fällen, die echt wirken, aber keine echten Daten enthalten. Ich bereite dafür Übungsakten vor: ein anonymisierter Antrag, ein ausgedachter Bürgerbrief, eine Sitzungsniederschrift ohne Namen. So lernen die Teilnehmenden an ihren typischen Aufgaben, ohne dass personenbezogene Daten in ein Werkzeug wandern, für das das Haus vielleicht noch keinen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO hat.
Zu jeder Übung gehört die Prüfung des Ergebnisses. Wer einen Entwurf von der KI bekommt, lernt, ihn gegen die Akte, das Gesetz und die Hausregeln zu lesen. Diese Prüfgewohnheit ist das Wichtigste, was eine Schulung hinterlassen kann.
- ✓Freigegebenes Werkzeug
- ✓Übungsakten ohne echte Daten
- ✓Jedes Ergebnis wird geprüft
Schritt 5
Personalrat, Datenschutz und Einkauf früh einbinden
In Behörden gehört der Personalrat früh an den Tisch. Werden KI-Werkzeuge eingeführt, die Verhalten oder Leistung der Beschäftigten überwachen können, bestimmt er mit, im Bund nach § 80 Abs. 1 Nr. 21 BPersVG, in Landesbehörden nach dem jeweiligen Landespersonalvertretungsgesetz. Auch bei Fortbildungen hat er je nach Landesrecht Beteiligungsrechte. In Unternehmen gilt für technische Einrichtungen § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Ich lade Personal- oder Betriebsrat zum Auftakt ein, das klärt viele Fragen, bevor sie zu Einwänden werden.
Für den Einkauf einer Schulung gilt in Behörden das Vergaberecht. Welche Verfahrensart greift und welche Unterlagen nötig sind, klärt die Vergabestelle eures Hauses. Plane dafür Zeit ein, eine Frist „bis Monatsende“ ist dann selten zu halten. Die Datenschutzbeauftragte prüft vorab die Übungsumgebung und die Werkzeuge, mit denen geübt wird.
- ✓Personalrat zum Auftakt einladen
- ✓Vergabestelle früh fragen
- ✓Datenschutz prüft die Übungsumgebung
Schritt 6
Festhalten und nachlegen
Die Bundesnetzagentur empfiehlt, die Maßnahmen zur KI-Kompetenz zu dokumentieren. Ich halte fest: Datum, Gruppe, Inhalte, Werkzeuge, Teilnehmende, Unterlagen. Das reicht als Nachweis und hilft dem nächsten Jahrgang. Ein Zertifikat schreibt Art. 4 nicht vor.
Danach ist die Schulung nicht vorbei. Neue Werkzeuge, neue Funktionen in Fachverfahren, neue Beschäftigte und geänderte Regeln sind Anlässe für eine Auffrischung. Wann das sinnvoll ist, steht im Ratgeber KI-Schulung wiederholen. Wer vorher wissen will, wo das Haus insgesamt steht, beginnt mit dem AI-Ready-Check.
- ✓Datum, Gruppe, Inhalte, Werkzeuge, Teilnehmende
- ✓Kein Zertifikat vorgeschrieben
- ✓Anlässe für die Auffrischung festlegen
Landesbehörde
Was eine Landesbehörde zusätzlich klärt
In Landesbehörden kommen drei Fragen dazu. Erstens: Welche KI-Werkzeuge stellt der IT-Dienstleister des Landes bereit, und welche Regeln gelten dafür landesweit? Oft gibt es schon eine Vorgabe, an die die Schulung anknüpft. Zweitens: Gibt es eine Dienstvereinbarung zum Einsatz von KI oder ist eine in Arbeit? Dann gehört ihr Inhalt in jede Gruppe. Drittens: Bietet die Fortbildungsakademie des Landes schon Grundlagenkurse an, auf die eure Inhouse-Schulung aufsetzt?
Wer diese drei Fragen vorab klärt, baut keine Schulung neben dem her, was im Land ohnehin entsteht, und kann die eigene Zeit auf das verwenden, was nur im eigenen Haus geht: die eigenen Fälle.
Quellen
Quellen und Stand
- Art. 4 KI-Verordnung (KI-Kompetenz), buzer.de – Maßnahmen zur KI-Kompetenz des Personals, kein Format vorgeschrieben. Abgerufen am 2. November 2026.
- Art. 3 KI-Verordnung (Begriffsbestimmungen), buzer.de – Nr. 4 Betreiber. Abgerufen am 2. November 2026.
- Bundesnetzagentur: KI-Kompetenz nach Art. 4 – Formate und Empfehlung zur Dokumentation. Abgerufen am 2. November 2026.
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), EUR-Lex – Art. 28 (Auftragsverarbeitung). Abgerufen am 2. November 2026.
- § 80 BPersVG (Mitbestimmung in organisatorischen Angelegenheiten), gesetze-im-internet.de – Abs. 1 Nr. 21, Bundesrecht; für Landesbehörden gilt das jeweilige Landespersonalvertretungsgesetz. Abgerufen am 2. November 2026.
- § 87 BetrVG (Mitbestimmungsrechte), gesetze-im-internet.de – Abs. 1 Nr. 6. Abgerufen am 2. November 2026.
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), EUR-Lex – Abgerufen am 2. November 2026.
Keine Rechtsberatung: Dieser Ratgeber gibt die Rechtslage nach den genannten Quellen mit Stand 2. November 2026 wieder. Maßgeblich ist die jeweils geltende Fassung. Ob dein Vorhaben in seiner konkreten Form zulässig ist, klärst du mit einer Rechtsanwältin oder einem Rechtsanwalt.

Über den Autor
Christoph Brinke
Ich war über 15 Jahre in der Kfz-Branche, als Lackierer, als Kfz-Sachverständiger und auf der Seite, die Aufträge verteilt. Heute baue ich KI für inhabergeführte Unternehmen und empfehle nur, was ich selbst gebaut habe.
Gelernter Fahrzeuglackierer, Kfz-Sachverständiger · Weiterbildung: IHK AI Practitioner · KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-Verordnung (IMB.Berlin, 2025) · Claude Code Masterclass (Everlast, 2026)
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Häufige Fragen
Häufige Fragen zur KI-Inhouse-Schulung
Ist eine KI-Inhouse-Schulung für Behörden Pflicht?
Eine bestimmte Schulung ist nicht vorgeschrieben. Art. 4 der KI-Verordnung verlangt von Anbietern und Betreibern von KI-Systemen, auch von Behörden, Maßnahmen zur KI-Kompetenz ihres Personals. Wie diese aussehen, bleibt offen. Eine Inhouse-Schulung ist ein bewährter Weg, weil sie mit den eigenen Werkzeugen und Fällen arbeitet. Keine Rechtsberatung.
Wie lange dauert eine KI-Inhouse-Schulung?
Das hängt von Rolle und Werkzeug ab. Bewährt hat sich bei mir ein Termin für Grundlagen und erstes Üben und ein zweiter einige Wochen später für die Fragen aus dem Alltag. Führungskräfte und IT bekommen eigene, kürzere oder technischere Teile. Wichtiger als die Dauer ist, dass jede Person selbst am Werkzeug arbeitet.
Muss der Personalrat einer KI-Schulung zustimmen?
Das hängt vom Landesrecht und vom Inhalt ab. Bei Fortbildungen haben Personalräte je nach Land Beteiligungsrechte. Werden mit der Schulung Werkzeuge eingeführt, die Verhalten oder Leistung überwachen können, bestimmt er im Bund nach § 80 Abs. 1 Nr. 21 BPersVG mit. Ich empfehle, ihn in jedem Fall früh einzubinden.
Womit wird in einer KI-Inhouse-Schulung geübt?
Mit dem Werkzeug, das im Haus freigegeben ist, und mit Übungsakten ohne echte personenbezogene Daten: anonymisierte Anträge, ausgedachte Schreiben, Niederschriften ohne Namen. So üben die Teilnehmenden an ihren typischen Aufgaben, ohne Daten in ein Werkzeug zu geben, für das vielleicht noch kein Vertrag besteht.
Wie wird eine KI-Schulung dokumentiert?
Mit Datum, Gruppe, Inhalten, genutzten Werkzeugen, Teilnehmenden und Unterlagen. Die Bundesnetzagentur empfiehlt, die Maßnahmen zur KI-Kompetenz zu dokumentieren. Ein Zertifikat schreibt Art. 4 der KI-Verordnung nicht vor. Die Dokumentation hilft außerdem, Auffrischungen und neue Beschäftigte zu planen.
Der erste Schritt
Wo steht dein Haus bei KI?
Im AI-Ready-Check schauen wir in 60 Minuten auf Prozesse, Daten, Technik und Organisation. Wir klären, welche Werkzeuge heute genutzt werden, welche Gruppen welche Schulung brauchen und was vorher geregelt sein muss.

