KI · Ratgeber · Studien
Warum KI-Studien zum Erfolg von Projekten so unterschiedlich ausfallen
Die eine Studie meldet, dass fast alle Unternehmen mit KI keinen Ertrag erzielen. Die andere, dass drei von vier schon profitieren. Beide sind seriös, beide stimmen, und sie messen etwas anderes. Ich zeige an belegten Beispielen, woran das liegt und wie du jede Studie in fünf Fragen einordnest.
Warum fallen Studien zum Erfolg von KI-Projekten so unterschiedlich aus?
Studien zum Erfolg von KI-Projekten fallen unterschiedlich aus, weil sie Erfolg verschieden definieren, verschiedene Menschen befragen, von verschiedenen Auftraggebern stammen und unter KI Verschiedenes verstehen. Eine Studie misst messbaren Ertrag nach sechs Monaten, eine andere die Einschätzung von Führungskräften. Wer eine Zahl übernimmt, muss deshalb immer mitlesen, was genau gemessen wurde.
Montagmorgen im Führungskreis. Der Vertriebsleiter hat eine Schlagzeile dabei: „95 Prozent der Unternehmen haben mit KI keinen Ertrag.“ Die Kollegin aus dem Controlling hält einen anderen Bericht dagegen: „Drei von vier sehen schon positive Rendite.“ Danach wird eine halbe Stunde gestritten, und am Ende wird das KI-Projekt vertagt, weil „die Studienlage unklar“ ist.
Keiner der beiden hat falsch zitiert. Beide Zahlen stehen so in seriösen Berichten aus dem Jahr 2025. Sie messen nur etwas völlig anderes. Dieser Ratgeber erklärt, woran das liegt. Die Zahlen stammen aus den unten verlinkten Originalquellen. Warum Projekte im Mittelstand konkret scheitern, steht im Ratgeber Warum KI-Projekte im Mittelstand scheitern.
Veröffentlicht am 2. November 2026 · 7 Min. Lesezeit · Autor: Christoph Brinke · Alle Blogbeiträge
Ich verkaufe keine KI, ich verkaufe Veränderung.
Beispiel
Zwei Schlagzeilen aus demselben Jahr
Die erste Zahl stammt aus dem Bericht „The GenAI Divide. State of AI in Business 2025“ der Initiative NANDA am MIT, veröffentlicht im Juli 2025 und ausdrücklich als vorläufig bezeichnet. Dort heißt es, 95 Prozent der Organisationen erzielten mit generativer KI keinen Ertrag, und nur 5 Prozent der integrierten Pilotprojekte erzeugten Werte in Millionenhöhe. Grundlage sind eine Auswertung von über 300 öffentlich bekannten KI-Vorhaben, Interviews mit Vertretern von 52 Organisationen und Antworten von 153 Führungskräften, gesammelt auf vier Branchenkonferenzen.
Die zweite Zahl stammt aus dem Bericht „Accountable Acceleration“ von Wharton Human-AI Research und GBK Collective vom Oktober 2025. Dort sehen knapp drei Viertel der Befragten bereits einen positiven Ertrag aus generativer KI. Grundlage ist eine Online-Befragung von rund 800 Entscheidern in großen US-Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten, durchgeführt zwischen dem 26. Juni und dem 11. Juli 2025.
- ✓MIT NANDA: 52 Organisationen, 153 Befragte, über 300 Vorhaben
- ✓Wharton und GBK: rund 800 Entscheider in US-Großunternehmen
- ✓Beide 2025, beide seriös, beide messen anders
Grund 1
Was als Erfolg zählt
Der wichtigste Unterschied steht im Kleingedruckten. Der MIT-Bericht zählt ein Projekt als Erfolg, wenn es über die Pilotphase hinaus mit messbaren Kennzahlen im Einsatz ist, gemessen sechs Monate nach dem Pilot. Für spezialisierte KI-Werkzeuge heißt erfolgreich eingeführt, dass Nutzer oder Führungskräfte eine deutliche und anhaltende Wirkung auf Produktivität oder Ergebnis beschreiben. Die Autoren schreiben selbst, dass sechs Monate für komplexe Systeme zu kurz sein können und die Erfolgsquote dadurch unterschätzt sein kann.
Der Wharton-Bericht fragt dagegen nach der Einschätzung der Befragten: Sehen sie einen positiven Ertrag? Das ist eine ehrliche Frage, aber eine andere. Wie sehr die Antwort davon abhängt, wer antwortet, zeigt der Bericht selbst: Unter Führungskräften ab Vizepräsidentenebene sehen 81 Prozent einen positiven Ertrag, im mittleren Management 69 Prozent. Dieselbe Studie, dieselbe Frage, zwölf Punkte Unterschied.
- ✓Messbarer Ertrag nach sechs Monaten oder Einschätzung
- ✓Zeitraum der Messung verändert das Ergebnis
- ✓Je höher die Ebene, desto positiver die Einschätzung
Grund 2
Wer gefragt wurde
Die Stichprobe entscheidet, für wen eine Zahl gilt. Der MIT-Bericht nennt selbst die Grenzen: Die Zahlen beruhen auf Interviews statt auf offiziellen Firmenzahlen, und Unternehmen, die über ihre Schwierigkeiten sprechen, können sich von denen unterscheiden, die nicht teilnehmen. Der Wharton-Bericht befragt nur große US-Unternehmen. Für einen Betrieb mit zwanzig Leuten in Deutschland sagt keine der beiden Zahlen direkt etwas.
Ein drittes Beispiel zeigt, wie Zahlen wandern. Der viel zitierte Satz, mehr als 80 Prozent der KI-Projekte scheiterten, steht in einem Bericht der RAND Corporation vom August 2024. RAND hat diese Quote aber nicht selbst gemessen, sondern schreibt „nach einigen Schätzungen“. Die eigene Untersuchung von RAND beruht auf Interviews mit 65 erfahrenen Datenwissenschaftlern und Ingenieuren und fragt nach Ursachen, nicht nach Quoten.
- ✓Interviews oder offizielle Zahlen
- ✓Großkonzerne oder Mittelstand, USA oder Deutschland
- ✓Zitierte Schätzung oder eigene Messung
Grund 3
Wer fragt und wer bezahlt
Studien entstehen an Hochschulen, bei Verbänden, Beratungen, Marktforschern und Softwareanbietern. Das macht sie nicht unseriös. Es lohnt aber ein Blick darauf, wem eine Zahl nützt. Ein Verband der Digitalwirtschaft hat ein Interesse daran, dass KI als Durchbruch gilt. Ein Anbieter für Datenplattformen betont gern, dass Projekte an fehlenden Daten scheitern. Eine Beratung zeigt gern, dass es ohne Begleitung schiefgeht.
Gute Studien legen deshalb offen, wer sie in Auftrag gegeben hat, wer befragt wurde und wie. Fehlt dieser Methodenteil, ist die Zahl eine Behauptung. Bei den Beispielen in diesem Ratgeber stehen die Angaben jeweils in einem eigenen Methodenabschnitt der Originalquelle.
Grund 4
Was mit KI gemeint ist
„KI“ kann ein Chatprogramm sein, das jemand für Mails nutzt, oder ein eigens gebautes System, das Rechnungen prüft. Der MIT-Bericht trennt das ausdrücklich: Allgemeine Chatprogramme werden breit genutzt und steigern vor allem die Produktivität Einzelner. Spezialisierte Systeme, die in Abläufe eingebaut werden, schaffen selten den Weg in den Betrieb. Die 95 Prozent beziehen sich auf den Ertrag der Unternehmen, nicht darauf, ob jemand mit einem Chatprogramm schneller schreibt.
Dasselbe Problem zeigt sich bei Zahlen zur KI-Nutzung in Deutschland. Das Statistische Bundesamt meldete im November 2024, dass 20 Prozent der Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten KI-Technologien nutzen, für das Jahr 2024. Der Digitalverband Bitkom meldete im September 2025 36 Prozent, aus einer telefonischen Befragung von 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Das ifo Institut meldete im Juni 2025 40,9 Prozent. Drei Zahlen mit verschiedenen Größengrenzen, Fragen und Zeitpunkten. Ein Widerspruch ist das nicht.
- ✓Chatprogramm oder eingebautes System
- ✓Nutzung ist nicht gleich Ertrag
- ✓Größengrenze und Zeitpunkt prüfen
Prüfen
Fünf Fragen an jede KI-Studie
Bevor ich eine Zahl in eine Präsentation oder eine Entscheidung übernehme, stelle ich fünf Fragen. Die Antworten stehen fast immer im Methodenteil der Studie, nicht in der Pressemitteilung.
Frag dich selbst
- Was genau zählt hier als Erfolg, und nach welcher Zeit wurde gemessen?
- Wer wurde befragt: wie viele, welche Größe, welches Land, welche Funktion?
- Ist die Zahl selbst gemessen oder aus einer anderen Quelle übernommen?
- Wer hat die Studie gemacht oder bezahlt, und wem nützt das Ergebnis?
- Welche Art von KI ist gemeint: Chatprogramm, fertige Software oder eigenes System?
Gemeinsam
Was die Studien trotzdem gemeinsam sagen
So verschieden die Zahlen sind, bei den Ursachen sind sich die Berichte erstaunlich einig. RAND nennt als häufigsten Grund für das Scheitern, dass nicht klar ist, welches Problem gelöst werden soll. Dazu kommen fehlende Daten, mehr Begeisterung für neue Technik als für das echte Problem der Nutzer, fehlende Infrastruktur und Aufgaben, die für KI schlicht zu schwer sind. Der MIT-Bericht schreibt, die Kluft hänge weniger an der Qualität der Modelle als an der Herangehensweise.
Für dich heißt das: Keine Studie sagt dir, ob KI in deinem Betrieb wirkt. Das sagt nur deine eigene Messung, vorher und nachher. Wie das geht, steht im Ratgeber Nutzen einer Automatisierung messen. Wo du anfängst, zeigt der AI-Ready-Check, wie du die erste Aufgabe einführst, der Ratgeber KI einführen. Und genau deshalb verkaufe ich keine KI, sondern Veränderung: Die Technik ist in allen diesen Studien selten der Engpass.
Quellen
Quellen und Stand
- MIT NANDA: The GenAI Divide. State of AI in Business 2025 (Juli 2025, PDF) – Executive Summary (95 Prozent ohne Ertrag, 5 Prozent der integrierten Piloten), Abschnitt 8.2 Methodik und Grenzen. Abgerufen am 2. November 2026.
- Wharton Human-AI Research und GBK Collective: Accountable Acceleration (Oktober 2025, Zusammenfassung als PDF) – Studienziele und Methodik (rund 800 Befragte, 26. Juni bis 11. Juli 2025, US-Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten), Abschnitt Proving Value (positiver Ertrag, 81 gegen 69 Prozent). Abgerufen am 2. November 2026.
- RAND: The Root Causes of Failure for Artificial Intelligence Projects (13. August 2024) – Zusammenfassung: Quote von mehr als 80 Prozent als zitierte Schätzung, eigene Methode 65 Interviews, fünf Ursachen. Abgerufen am 2. November 2026.
- Statistisches Bundesamt: Jedes fünfte Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz (Pressemitteilung Nr. 444 vom 25. November 2024) – 20 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten, Jahr 2024. Abgerufen am 2. November 2026.
- Bitkom: Durchbruch bei Künstlicher Intelligenz (Presseinformation vom 15. September 2025) – 36 Prozent, 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, telefonisch, KW 27 bis 32 2025. Abgerufen am 2. November 2026.
- ifo Institut: Unternehmen setzen immer stärker auf Künstliche Intelligenz (16. Juni 2025) – 40,9 Prozent der Unternehmen nutzen KI in Geschäftsprozessen. Abgerufen am 2. November 2026.

Über den Autor
Christoph Brinke
Ich war über 15 Jahre in der Kfz-Branche, als Lackierer, als Kfz-Sachverständiger und auf der Seite, die Aufträge verteilt. Heute baue ich KI für inhabergeführte Unternehmen und empfehle nur, was ich selbst gebaut habe.
Gelernter Fahrzeuglackierer, Kfz-Sachverständiger · Weiterbildung: IHK AI Practitioner · KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-Verordnung (IMB.Berlin, 2025) · Claude Code Masterclass (Everlast, 2026)
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Häufige Fragen
Häufige Fragen zu Studien über den Erfolg von KI-Projekten
Stimmt es, dass 95 Prozent der KI-Projekte scheitern?
Die Zahl stammt aus dem vorläufigen MIT-NANDA-Bericht vom Juli 2025. Dort heißt es, 95 Prozent der Organisationen erzielten mit generativer KI keinen Ertrag. Erfolg war eng definiert: Einsatz über den Pilot hinaus mit messbaren Kennzahlen, gemessen nach sechs Monaten. Grundlage waren 52 Organisationen und 153 Befragte. Für den deutschen Mittelstand ist sie nicht repräsentativ.
Woher kommt die Zahl, dass 80 Prozent der KI-Projekte scheitern?
Sie wird oft der RAND Corporation zugeschrieben. RAND schreibt in seinem Bericht vom August 2024 aber nur, dass nach einigen Schätzungen mehr als 80 Prozent der KI-Projekte scheitern. Die eigene Untersuchung von RAND beruht auf 65 Interviews mit erfahrenen Fachleuten und fragt nach Ursachen, nicht nach einer Quote.
Woran scheitern KI-Projekte in mittelständischen Unternehmen?
Die Studien nennen ähnliche Ursachen: unklares Problem, fehlende oder verstreute Daten, Begeisterung für Technik statt für das Problem der Nutzer, fehlende Infrastruktur und zu große Aufgaben. Im Mittelstand kommen oft fehlende Zuständigkeit und ein zu großer Start dazu. Mehr dazu im Ratgeber Warum KI-Projekte im Mittelstand scheitern.
Wie viele Unternehmen in Deutschland nutzen KI?
Das hängt von der Studie ab. Das Statistische Bundesamt meldete für 2024 20 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Bitkom meldete im September 2025 36 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten, das ifo Institut im Juni 2025 40,9 Prozent. Die Zahlen unterscheiden sich in Größengrenze, Frage und Zeitpunkt.
Wie erkenne ich eine gute KI-Studie?
Eine gute Studie legt offen, was als Erfolg zählt, wer wie befragt wurde, wer sie gemacht oder bezahlt hat und welche Art von KI gemeint ist. Diese Angaben stehen im Methodenteil, nicht in der Pressemitteilung. Fehlen sie, ist die Zahl eine Behauptung und keine Grundlage für eine Entscheidung.
Der erste Schritt
Was bringt KI in deinem Betrieb?
Im AI-Ready-Check schauen wir in 60 Minuten auf Prozesse, Daten, Technik und Organisation. Statt einer Zahl aus einer Studie bekommst du einen Punktwert von 0 bis 100 in fünf Stufen für dein eigenes Unternehmen und weißt, wo du anfängst und was du vorher und nachher misst.

